Sight'n Sounds Comanchero

Charlie - der Denker

 

Kann, darf, soll, muss, will ich - ein Hund, der alles hinterfragt, den tiefen Sinn darin zu suchen scheint und bei dem man wortwörtlich die Zahnräder im Gehirn laufen hört. Er ist wie ein Chamäleon, wechselt je nach Bedarf seine Charaktereigenschaften und macht rein gar nichts unüberlegt. Einerseits ist er das Sensibelchen in Hund und andererseits kann er zum Powerpaket werden. Er ist ein sehr ruhiger, geduldiger Zeitgenosse, "frisst" aber leider alles in sich hinein, unterdrückt seine Gefühle und erst wenn das Fass voll ist, kommt alles auf einmal aus ihm heraus.

 

Charlie oder auch Charles gerufen ist mein Allroundhund. Egal was man mit ihm macht, man kann sicher sein, dass er durch seinen Ehrgeiz gefallen will. Lange war er für mich der Hund, an den kein anderer so schnell herankommen konnte. Ein Hund mit dem ich noch immer durch das Feuer gehen würde. Ein Hund, der gefördert und gefordert werden möchte und dabei seine Charaktereigenschaften blitzartig umstellen kann. Vom Einfühlsamen zum Eifersüchtigen, vom Schmusetiger zum Junkie und vom Lernbegierigen zum Bedrückten.  

 

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Charlie mich und meine Aufmerksamkeit am liebsten für sich alleine beanspruchen würde. Ich bin mir sicher, dass ich bei ihm auch den Fehler begangen habe, zu viel mit ihm zu machen. Bereits als Welpe/Junghund belegte ich mit ihm wöchentlich zwei verschiedene Hundekurse und begann gleichzeitig mit der Therapiehundeausbildung. Vielleicht war es einfach die Angst, er solle doch bereits in jungen Jahren mehr gefördert werden als unser Onno, der fast zwei Jahre seines Lebens keine richtige Erziehung genossen hatte. Ich würde fast behaupten, ich habe Charlie dadurch einen Teil seiner Kindheit/Jugend gestohlen, ihn "gezwungen" bald erwachsen und immer einsatzbereit zu sein. 

 

Charlie ist der Hund, der im Alltag nicht groß auffällt, sogar sehr unscheinbar wirkt. Er kuschelt für sein Leben gern, ist geduldig ohne Ende und liebt es einfach bei seinem Menschen zu sein. Kommt jedoch sein Wachtrieb zum Vorschein, erkennt man ihn kaum wieder und er mutiert zur Furie. Grundsätzlich mag ich es ja, wenn die Hunde bei Besuch melden, da wir so abgelegen wohnen, aber es ist vorrangig Charlie, der sich hier schwer wieder beruhigt. Dieses Gebelle nervt den Großteil des Rudels, der umgehend sehr hart durchgreift und den "Aufmerksamkeits-Schinder" zur Ruhe bringt. Bin ich hingegen mit Charlie alleine, beendet er sein Gekläffe umgehend. Ich glaube immer mehr, dass er eigentlich der geborene Einzelhund gewesen wäre...

 

Mein Denker Charlie ist für mich der Hund zum Pferde stehlen und der Verlässlichste im Bunde - aber nur, wenn er mit mir alleine ist. Gerade durch seine Stärken und Schwächen hebt er sich von der Masse ab und besticht dadurch, dass er nie etwas Unüberlegtes macht - auch wenn manches zu meinem eigenen, ganz persönlichen Ärger geschieht. Er ist mein Seelentröster und scheint meine Gemütszustände schon zu kennen, bevor ich überhaupt eine Ahnung davon habe.

 

 

"Sonne und Regen, die wechseln sich ab,

mal geht's im Schritt, mal geht's im Trab.

Fröhlichkeit, Traurigkeit, beides kommt vor.

Eins nur ist wichtig: Trag's mit Humor!"

 

...wie wahr, wie wahr.....nur oft ist dies gar nicht so leicht...